{"id":389,"date":"2019-04-02T11:15:43","date_gmt":"2019-04-02T11:15:43","guid":{"rendered":"http:\/\/rettet-das-gedruckte-wort.flix-data.de\/?p=389"},"modified":"2019-04-02T11:31:49","modified_gmt":"2019-04-02T11:31:49","slug":"was-ich-unbedingt-noch-erzaehlen-wollte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rdgw.running.digital\/?p=389","title":{"rendered":"Was ich unbedingt noch erz\u00e4hlen wollte"},"content":{"rendered":"<p>Meine erste Beurteilung des von Florian Illies zu Papier gebrachten Werkes: eine bessere Illustrierte &#8211; man beachte Illies und Illustrierte -, Promi &#8211; Klatsch und &#8211; Tratsch in gehobenem Stil.<\/p>\n<p>Ich denke immer noch: genau das ist es auch!<br \/>\nAber pl\u00f6tzlich hat es mich gepackt und faszinierende Gedanken haben sich mir aufgetan,<br \/>\nvor allem beim Verzehr der Herbst Geschichten.<\/p>\n<p><strong>Das 271 Seiten lange Promi &#8211; Special<\/strong> ist aufgeteilt in Ereignisse vom Winter 1913, Fr\u00fchling, Sommer und Herbst &#8211; in dieser Reihenfolge.<\/p>\n<p>Warum mich der Herbst besonders fasziniert hat? Wenn ich jetzt ein Emoticon zur Verf\u00fcgung h\u00e4tte, w\u00fcrde ich Euch eines von der Dame mit den hochgezogenen Schultern pr\u00e4sentieren, sprich: &#8222;Wei\u00df auch nicht.&#8220;<br \/>\nVielleicht, weil ich mich auch gerade in dieser tollen, bunten Jahreszeit befinde, mit den Lebensjahren, den Erfahrungen und dem aktuellen Zusammenf\u00fchren, der Quintessenz also aus allem bisher Gelebten.<\/p>\n<p>Dazu ein Satz aus dem vorliegenden Buch, den ich passender nirgendwo finden kann und der sowohl das Gro\u00dfe Ganze des gesellschaftlichen Lebens als auch den individuellen Mikrokosmus jedes Einzelnen wunderbar umfasst: &#8222;Es ist immer nur ein wenig, was der Welt zur Erl\u00f6sung fehlt.&#8220; Aber, es fehlt halt und niemals scheint es sich einzufinden, zur Vervollkommnung, das Kleine, das Wenige was fehlt.<br \/>\nVielleicht sp\u00fcrt das auch Kafka mit seinem starken Widerwillen gegen die Gedichte &#8211; und letztendlich auch gegen die Frau &#8211; Else Lasker &#8211; Sch\u00fcler, die ihn seine Verklemmungen wohl zu stark sp\u00fcren lassen. Angesichts der &#8222;rohen sexuellen Energie&#8220;, die diese Frau verspr\u00fcht, empfindet er nur &#8222;Leere und Widerwillen&#8220;.<\/p>\n<p>Und immer wieder Proust! Auf seiner &#8222;Suche nach der verlorenen Zeit&#8220; durchzieht er alle vier Jahreszeiten, stets mit neuen Korrekturen, Umformulierungen, korrigierten Korrekturen und umformulierten Umformulierungen.<\/p>\n<p>Man h\u00f6re und staune, ADHS und Burnout gab es auch schon 1913! Die Bezeichnung allerdings wohlklingender, melodi\u00f6s gar &#8211; Neu ras the nie -, &#8222;das war das Zauberwort 1913&#8220; &#8230;, &#8222;ein so wunderbar undefinierter Begriff f\u00fcr jedwedes psychosomatische Unwohlsein&#8220; &#8230;unter den sich au\u00dfer Kafka und Rilke auch Musil und Egon Schiele stellten &#8211; &#8222;und all die gro\u00dfen leidenden Frauen des Jahres nat\u00fcrlich ohnehin.&#8220;<br \/>\n<strong>&#8222;Haste nie und raste nie, sonst hast du die Neurasthenie.&#8220; <\/strong><br \/>\nTja, \u00b4gefl\u00fcgelte` Worte gab es damals wohl auch schon!<\/p>\n<p>Kann man den 5. April 1913 &#8211; sieh an, da ich dies notiere, haben wir gerade den 2. April 2019, also <strong>ziemlich genau 106 Jahre sp\u00e4ter &#8211; <\/strong>als den Beginn des Atomzeitalters bezeichnen? Der Autor tut es!<br \/>\nAu\u00dferdem erfahren wir von ihm &#8222;wenn Revolution\u00e4re entspannen, dann sammeln sie Blumen&#8220; und erhalten Einblick in Rosa Luxemburgs &#8222;Oktav &#8211; Heft&#8220;, ihr kleines, sorgsam zusammengestelltes Herbarium.<br \/>\nUnd gleich denke ich an meinen Garten mit seiner wohltuenden Wirkung, wenn der Kopf sich leerfegt von Sorge und schweren Gedanken, sich nur noch an neuen Setzlingen und bunten Bl\u00fcten erfreut und die H\u00e4nde in fetter Erde w\u00fchlen oder einen vom Austrocknen bedrohten Regenwurm in schattigere Gefilde katapultieren.<\/p>\n<p>Hoppla, auf einmal befinden wir uns schon mitten im Sommer und ich frage mich manchmal beim Lesen <strong>&#8222;woher wei\u00df er das?&#8220; <\/strong>und <strong>&#8222;kann man sowas \u00fcberhaupt recherchieren?&#8220;<\/strong><br \/>\nAuf jeden Fall recherchiert ist die Geschichte mit der Lok, die pl\u00f6tzlich von einer Br\u00fccke ins gro\u00dfe Nichts f\u00e4hrt, halb \u00fcber der Ems h\u00e4ngt und damit zum &#8222;Bild des Jahres 1913&#8220; wird.<br \/>\n\u00dcbrigens gut zu finden im Internet unter <strong>>25.07.1913 &#8211; Eisenbahn &#8211; Ungl\u00fcck auf der Emsbr\u00fccke bei Hilkenborg<<\/strong>.<br \/>\nSie sehen, liebe Leser, <strong>das Druckwerk regt zu eigener Recherche an.<\/strong><\/p>\n<p>Ich k\u00f6nnte schreiben schreiben schreiben aber Sie sollten lieber lesen lesen lesen und deshalb komme ich jetzt so langsam zum Ende der Appetit &#8211; Anregung auf dieses k\u00f6stliche Geschreibe und siehe da, sogar einen weiteren Beweis f\u00fcr die vom Autor erfolgte Recherche habe ich gefunden und ausgerechnet von der Mutter von Ernest Hemingway stammt er!<\/p>\n<p>Etwas noch zum Herbst, dem anfangs besonders erw\u00e4hnten: r\u00fchme ich mich doch, der gelobten, verhassten, geliebten, gef\u00fcrchteten&#8230;jedenfalls als solche in die Geschichte eingegangenen 68er Generation anzugeh\u00f6ren und war bis dato unbeirrbar in dem Glauben, hier die ersten Befreiungs-, Aufbegehrungsversuche miterlebt zu haben, eine Andersartigkeit der jungen Generation wie nie zuvor &#8211; man lese den letzten Teil des Buches und werde eines Anderen belehrt.<\/p>\n<p>Schon 1913 gab es die Musik &#8211; Revolution, es gab Spiritualismus, Kommunen, vegetarische, vegane und hippi\u00e4hnliche Verhaltensweisen und die Sehnsucht nach und der Ausdruck f\u00fcr Freiheit war riesengro\u00df und mindestens genauso wild und ungez\u00fcgelt wie in den 68 ern. Und schauen wir uns Bilder von Karl Wilhelm Diefenbach an glauben wir gerne, dass er als <strong>&#8222;Urvater der Alternativbewegung&#8220;<\/strong> gilt und lesen wir weiter \u00fcber ihn, mag Rainer Langhans vielleicht nicht direkt aber doch ein wenig als Abklatsch anmuten, eine Wiederholung des l\u00e4ngst da Gewesenen.<\/p>\n<p><strong>Wir h\u00e4tten uns vielleicht doch mit unseren Gro\u00dfeltern verbinden sollen!<\/strong><\/p>\n<p><em>Verlag S. Fischer, 24. Oktober 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine erste Beurteilung des von Florian Illies zu Papier gebrachten Werkes: eine bessere Illustrierte &#8211; man beachte Illies und Illustrierte -, Promi &#8211; Klatsch und &#8211; Tratsch in gehobenem Stil. Ich denke immer noch: genau das ist es auch! 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