{"id":672,"date":"2019-08-23T12:13:45","date_gmt":"2019-08-23T12:13:45","guid":{"rendered":"http:\/\/rettet-das-gedruckte-wort.flix-data.de\/?p=672"},"modified":"2019-08-23T12:13:45","modified_gmt":"2019-08-23T12:13:45","slug":"der-ruf-der-gazelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rdgw.running.digital\/?p=672","title":{"rendered":"Der Ruf der Gazelle"},"content":{"rendered":"<p>Dieser Roman von Lionel Davidson beschert mir w\u00e4hrend des Lesens drei Geschichten, die mich, jede f\u00fcr sich, aber auch im Gesamtbild, <strong>mit menschlichen, geschichtlichen und politischen Informationen versorgen<\/strong> wie sonst selten erlebt, und dazu <strong>eine liebvolle, f\u00fcr alles offene und wertsch\u00e4tzende Geschichte<\/strong> formen.<\/p>\n<p><strong>Eine ganz neue, nie gesehene Art Gazelle wird in den 50er Jahren entdeckt und sofort wieder aus den Augen verloren.<\/strong><br \/>\nWar es ein Trugbild? Das besondere Geweih, die spezielle Gr\u00f6\u00dfe?<br \/>\n&#8222;Eine Ziege&#8220;, denkt Hamud zuerst, von dem merkw\u00fcrdigen Tier in den Bauch gesto\u00dfen, &#8222;so da\u00df er st\u00fcrzte.&#8220;<br \/>\n&#8222;Aber es war keine Ziege.&#8220; &#8222;Es sah aus, wie eine Gazelle&#8220;, und das bedeutet Fleisch. Als er jedoch sieht, dass die Gazelle tr\u00e4chtig ist, steckt er sein Messer weg.<br \/>\n&#8222;Warum sich mit einer Gazelle zufrieden geben, wenn man zwei haben kann?&#8220;<\/p>\n<p><strong>Hamud, ein der Blutrache folgender Beduine, nimmt auf seiner Flucht in die Einsamkeit die Tiere in seine Obhut und vermehrt sie zu einer schier unendlich gro\u00dfen Herde.<\/strong><br \/>\nDas Land, durch das sein Weg ihn f\u00fchrt, konnte nicht Jordanien sein, da es nicht s\u00fcdlich genug lag.<br \/>\n&#8222;Dann war das wohl Pal\u00e4stina mit den w\u00fctigen Juden, die es eingenommen hatten.<br \/>\nDer Anwalt aus Homs hatte ihnen erz\u00e4hlt, wie die Juden die Einwohner abgeschlachtet und ihnen das Land gestohlen hatten.&#8220;<br \/>\n<strong>Allein im unwegsamen Gebiet, welches sein neues zu Hause stellt, ist Hamud der Sch\u00f6pfer, der das Land seinen Lebensnotwendigkeiten und denen der Tiere anpasst. <\/strong><br \/>\n&#8222;Er sah alles, was er bisher getan hatte, und er sah, da\u00df es sehr gut war. Dann eilte er heimw\u00e4rts, der n\u00e4chsten Sch\u00f6pfungsphase entgegen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Der Aufbau der Kibbuze ist schwierig und nicht immer von direktem Erfolg gekr\u00f6nt.<\/strong><br \/>\nAmos, &#8222;der gro\u00dfe Schwimmbadbauer&#8220; f\u00e4llt im Sechstagekrieg. Ihm verdankt der Kibbuz das Schwimmbad f\u00fcr die gro\u00dfe Reinigung, finanziert durch die Baumwolle, die mit einem Kredit, einer Menge Arbeit und einer guten Portion Gl\u00fcck zum erfolgreichen Gesch\u00e4ft geworden war.<br \/>\n<strong>Jonathan, ein Junge aus dieser, der Kibbuz eigenen Homogenit\u00e4t entwischenen Genossenschaft, entdeckt auf seinen Streifz\u00fcgen sowohl Hamud als auch seine besondere Herde. Ein Wunder erscheint es dem Kind und mehr noch dem erwachsenen Hirten, der, nur noch ein Auge und mit abgerissenem Ohr, in dem herbeigew\u00fcnschten Besuch einen Boten Gottes vermutet.<\/strong><br \/>\nEndlich wird ihm die lang ersehnte Aufgabe in seinem neuen Leben offenbart.<br \/>\nJonathan \u00fcbernimmt die ihm angetragene Rolle und macht das Wunder zu seinem Spiel.<br \/>\nBetrug? Geringsch\u00e4tzung des alten Mannes? Vielleicht aber doch Sinn gebend und W\u00e4rme spendend in dem gemeinsamen Ziel &#8222;die Gazellen sollen eines Tages das heilige Land bev\u00f6lkern, wenn die Menschen aus ihm verschwunden sein werden.&#8220;<\/p>\n<p>Wir erfahren beim Lesen etwas \u00fcber die Rolle der Russen und der \u00c4gypter im Krieg um das gelobte Land und wir erfahren etwas \u00fcber alte M\u00e4nner mit ihrem \u00fcberlieferten Glauben und den Jungen, die nur ihr eigenes Spiel, das, was sie sehen und f\u00fchlen, der Realit\u00e4t zuordnen und <strong>wir k\u00f6nnen uns auf einmal vorstellen, dass Beides sich irgendwann einmal nicht mehr gegenseitig ausschlie\u00dfen oder gar zerst\u00f6ren muss.<\/strong><\/p>\n<p><em>&#8222;Der Sinai kennt seit vierzig Jahren immer wieder Krieg. Trotzdem ist er zwischen Chaos und Ha\u00df ein Paradies f\u00fcr Mensch und Tier geblieben. Lionel Davidson hat dort seine eindringliche, subtile <strong>Parabel \u00fcber Liebe, Mitgef\u00fchl und Toleranz<\/strong> angesiedelt. <strong>Die Geschichte von Menschen, die sich auf verschiedenen Wegen auf die Suche begeben haben nach einem Traum, der so alt ist wie die Menschheit selbst: Frieden.&#8220;<\/strong><\/em><br \/>\n<strong><em>Die Originalausgabe ist unter dem Titel &#8222;Smith\u00b4s Gazelle&#8220; bei Jonathan Cape, London, erschienen.<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Deutschsprachige Ausgabe 1989 im Blanvalet Verlag M\u00fcnchen<br \/>\nISBN 3-7645-3515-6<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Roman von Lionel Davidson beschert mir w\u00e4hrend des Lesens drei Geschichten, die mich, jede f\u00fcr sich, aber auch im Gesamtbild, mit menschlichen, geschichtlichen und politischen Informationen versorgen wie sonst selten erlebt, und dazu eine liebvolle, f\u00fcr alles offene und wertsch\u00e4tzende Geschichte formen. 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