{"id":704,"date":"2019-09-05T10:40:01","date_gmt":"2019-09-05T10:40:01","guid":{"rendered":"http:\/\/rettet-das-gedruckte-wort.flix-data.de\/?p=704"},"modified":"2019-09-05T10:46:04","modified_gmt":"2019-09-05T10:46:04","slug":"effie-briest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rdgw.running.digital\/?p=704","title":{"rendered":"Effie Briest"},"content":{"rendered":"<p>Langatmig ist er schon an einigen Stellen, der Roman von Theodor Fontane.<br \/>\nAus einer Seite h\u00e4tte man unter Umst\u00e4nden eine halbe machen k\u00f6nnen, aus zehn S\u00e4tzen eventuell drei, die ebenso gut vermittelt h\u00e4tten,<br \/>\nwas der Dichter uns mit seinem Werk zu sagen hat.<\/p>\n<p>Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.<br \/>\nVielleicht muss es genau so geschrieben sein<br \/>\num uns die Bedeutung des Geschehens um Effie und mit ihr offenbar zu machen.<\/p>\n<p>Der mit seiner Zeit verbundenen Moral wohl voraus,<br \/>\nl\u00e4sst er uns mitleiden mit der versto\u00dfenen Tochter.<br \/>\nEr l\u00e4sst uns den Schmerz und die Verzweiflung f\u00fchlen der Mutter,<br \/>\nderen Kind zur Antiliebe und mechanischen Puppe dressiert ist<br \/>\nund wir f\u00fchlen das Unn\u00fctze eines Todes, der auf zweifelhaften und vom Vollziehenden selbst nicht hundert Prozent als sinnvoll angesehenen Konventionen beruht.<\/p>\n<p>Effi ist jung, als sie ihr Elternhaus verl\u00e4sst und ohne Entscheidungsf\u00e4higkeit in die ehelichen H\u00e4nde<br \/>\neines, der Generation ihrer Eltern angeh\u00f6renden Mannes gegeben wird.<br \/>\nBar jeder Lebenserfahrung schreibt sie alles, was sie in Angst, Langeweile, Einsamkeit und Unverst\u00e4ndnis versetzt ihrer eigenen Unzul\u00e4nglichkeit zu.<br \/>\nIhr Bem\u00fchen um Anpassung und Gehorsam einer Generation gegen\u00fcber, die nicht die ihre ist, legt die ihrer Jugend entsprechenden Leichtigkeit ab und betont vor sich und der Welt die Gro\u00dfartigkeit des Gatten und damit ihr eigenes gro\u00dfes Gl\u00fcck, seine Ehefrau zu sein. <\/p>\n<p>Als sie Crampas begegnet, ziehen Spiel und Spannung und jene krampfhaft abgelegte Leichtigkeit wieder in ihr Leben ein und lassen es ein wenig mehr zu ihrem eigenen werden.<br \/>\nZ\u00e4rtlichkeiten und neu entdeckte Erregung durchbrechen die<br \/>\nMonotonie und Uneigenst\u00e4ndigkeit ihres Alltags.<\/p>\n<p>&#8222;Und es war noch nicht einmal Liebe&#8220; sind Effies Worte, als sie vom Tode Crampas\u00b4erf\u00e4hrt.<br \/>\n<strong>Aber es war das Leben.<\/strong><\/p>\n<p>Fontane zeigt uns, was eine Gesellschaft vermag, in der Leben nur die Moral der Zeit,<br \/>\nAnpassung und Gehorsam verk\u00f6rpern soll.<br \/>\nEr zeigt uns, wie das Anderssein bestraft wird bis hin zum Tode und der Vollzieher letztendlich keine Genugtuung empfindet, jedoch seine Ehre, Ehrbarkeit und Position<br \/>\nin der Gesellschaft durch die Tat erhalten kann.<\/p>\n<p>&#8222;Ob wir nicht doch vielleicht schuld sind?&#8220; so die Worte der Mutter am Ende des Romans<br \/>\nund die Antwort ihres Gatten: &#8222;Ach, Luise, lass &#8230; das ist ein zu weites Feld.&#8220;<br \/>\n<strong>Aber, diese wenigen Worte lassen uns hoffen.<\/strong><\/p>\n<p><em>1925 S. Fischer \/ Verlag Berlin<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Langatmig ist er schon an einigen Stellen, der Roman von Theodor Fontane. Aus einer Seite h\u00e4tte man unter Umst\u00e4nden eine halbe machen k\u00f6nnen, aus zehn S\u00e4tzen eventuell drei, die ebenso gut vermittelt h\u00e4tten, was der Dichter uns mit seinem Werk zu sagen hat. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. 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