{"id":822,"date":"2020-01-15T14:37:15","date_gmt":"2020-01-15T14:37:15","guid":{"rendered":"http:\/\/rettet-das-gedruckte-wort.flix-data.de\/?p=822"},"modified":"2020-01-15T14:37:15","modified_gmt":"2020-01-15T14:37:15","slug":"geschichte-einer-liebe-adele-schopenhauer-und-sybille-mertens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rdgw.running.digital\/?p=822","title":{"rendered":"Geschichte einer Liebe &#8211; Adele Schopenhauer und Sybille Mertens"},"content":{"rendered":"\n<p>Wollen wir das wieder erleben?<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Gesellschaft, in der Frauen ihre Legitimation ausschlie\u00dflich in der Ehe mit einem Mann erhalten? In der nicht offen \u00fcber lesbische Liebe geredet, geschweige, sie gelebt werden darf? In der jedes m\u00e4nnlich produzierte Werk mehr Anerkennung erh\u00e4lt allein aufgrund seiner m\u00e4nnlichen Basis, als jedes hoch k\u00fcnstlerische, exquisit recherchierte oder gefertigte Werk einer Frau nur aufgrund seiner Weiblichkeit?<\/p>\n\n\n\n<p>Du hast recht, lieber Leser, Besucher, liebe Interessentin, lieber Mann, liebe Frau, kurz alle, die nicht zur\u00fcckwollen in die &#8222;<em>gute alte Zeit<\/em>&#8222;, z. B. in die Zeit vor 1977, ja, richtig geh\u00f6rt, bzw. gelesen, <strong>dass noch bis einschlie\u00dflich 1976 die Frau ihren Ehegatten um die Erlaubnis und entsprechende Unterschrift f\u00fcr den Arbeitgeber einer erwerbst\u00e4tigen Arbeit bitten musste. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Adele Schopenhauer lebt und wirkt in dieser Zeit, stets bestrebt, ihre Ehrbarkeit, den Stand in der Gesellschaft mittels einer Ehe zu festigen.<br>Dieses blieb ihr jedoch Zeit ihres Lebens versagt, leider, da es ihr auch die Befreiung aus der Beziehung und letztendlichen Abh\u00e4ngigkeit zu einer herrschs\u00fcchtigen und egozentrischen Mutter erspart h\u00e4tte.<br><br>Nicht versagt blieb ihr <strong>die Liebe ihrer Gef\u00e4hrtin der letzten Jahre, <br>Sybille Mertens. <\/strong> Nach der unerf\u00fcllten Liebe, entgegengebracht <br> Ottilie  Goethe, wird Adele in ihrem letzten Lebensabschnitt versorgt von Sybille, beh\u00fctet und gepflegt <strong>und hat es doch verlernt, sich darauf einzulassen <\/strong>und nicht schuldig zu f\u00fchlen ob der ihr dargebrachten finanziellen und menschlichen Unterst\u00fctzung.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Dreh &#8211; und Angelpunkt der b\u00fcrgerlichen Existenz einer Frau war&#8220;, wie schon erw\u00e4hnt, &#8222;die Ehe, und Adele bekam es allenthalben zu sp\u00fcren, dass ihr Leben auf den Hauptpunkt f\u00fcr Frauen verpfuscht war.&#8220;<br>Trotzdem gab es auch die frohe Seite dar\u00fcber, dass ihr die Ehe letztendlich erspart blieb. &#8222;M\u00e4nner n\u00e4hmen Frauen nicht ernst. Ihre Verehrung sei eigentlich Unterdr\u00fcckung: die meisten, auch die Rechtlichen, betrachten uns wie poetische Wesen, darum geben sie uns kein B\u00fcrgerrecht auf der Erde.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hier vorliegende, von Angela Steidele zusammengetragene Buch, nimmt, entgegengesetzt der sonst \u00fcblichen Geschichtsschreibung, schaffende und k\u00fcnstlerisch t\u00e4tige Frauen ins Visier, so auch Anna Jameson, deren Reiseberichte noch heute gerne gelesen werden.<br>Mit Vorliebe wird hier &#8222;das ach so christliche Abendland&#8220; kritisiert und die indianische Kultur dagegen gestellt, die mit ihrer zwanglosen Kindererziehung, ihrer Medizin und der indianischen Kriegsf\u00fchrung, welche Vergewaltigung als unm\u00e4nnlich ablehnt, von der Autorin hoch gepriesen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Im englischsprachigen Raum ist Anna Jameson als Autorin eines mutigen Aufsatzes \u00fcber die fatalen Folgen von M\u00e4dchenarbeit bekannt.<br><strong>Bildung f\u00fcr Frauen und M\u00e4dchen zur Verbesserung der Lebensumst\u00e4nde aller Menschen<\/strong> lautete eine ihrer Forderungen, die, global gesehen, noch lange nicht \u00fcberholt ist.&#8220;<br>&#8222;Da sie davon ausgeht, Frauen und M\u00e4nner seien verschieden, aber gleichberechtigt, geh\u00f6rt sie zu den M\u00fcttern des sogenannten Differenzfeminismus, der bis heute diskutiert wird.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Arthur Schopenhauer, der Bruder Adeles, heute noch als Philosoph in unseren Universit\u00e4ten pr\u00e4sent, tritt in seinen Schriften dagegen offen frauenverachtend auf und schafft mit seinem &#8222;Ueber die Weiber&#8220; einen &#8222;peinigenden und peinlichen Text&#8220;, nicht zuletzt aus pers\u00f6nlichem Hass auf den Lebensstil seiner Schwester und Neid auf deren finanziell gesicherte Existenz. &#8222;Er verneinte wider besseres Wissen die M\u00f6glichkeit eines Lebens, wie es seine Schwester und ihre Lebensgef\u00e4hrtin gef\u00fchrt hatten. Angesichts der wissenschaftlichen Lebensleistung von Sybille Mertens und Adeles k\u00fcnstlerischen und kunsthistorischen Arbeiten ist seine Behauptung, Frauen h\u00e4tten keinen Sinn f\u00fcr die K\u00fcnste und die Wissenschaften, geradezu r\u00e4tselhaft&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Buch erz\u00e4hlt uns die Geschichte der Liebe zwischen zwei ungew\u00f6hnlichen Frauen, die nicht nur in ihrem Privatleben Grenzen einrissen und <strong>die ihnen stets wiederholt in den Weg gelegten Felsbrocken kreativ genutzt und zu neuen Figuren verarbeitet haben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Insel Verlag Berlin 2010<\/em><br><em>Dieses Buch wurde durch ein Stipendium der Klassik Stiftung Weimar und ein Arbeitsstipendium der Kunsstiftung NRW gef\u00f6rdert.<\/em><br><em>ISBN: 978-3-45 -17454-7<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wollen wir das wieder erleben? Eine Gesellschaft, in der Frauen ihre Legitimation ausschlie\u00dflich in der Ehe mit einem Mann erhalten? 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