{"id":912,"date":"2026-02-01T16:57:17","date_gmt":"2026-02-01T16:57:17","guid":{"rendered":"http:\/\/rettet-das-gedruckte-wort.flix-data.de\/?p=912"},"modified":"2026-02-01T16:57:17","modified_gmt":"2026-02-01T16:57:17","slug":"taube-aus-papier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rdgw.running.digital\/?p=912","title":{"rendered":"Taube aus Papier"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>&#8222;Meine Lippen sollen nichts Unrechtes reden, und meine Zunge soll keinen Betrug sagen. &#8230; &#8222;<\/p><\/blockquote>\n<p>Dieses Zitat, aus dem Buch Hiob, 27, stellt Armin M\u00fcller an den Anfang seiner Erz\u00e4hlung.<br \/>\nWarum er das tut, begreife ich mit jedem Kapitel immer mehr.<\/p>\n<p>1981 verlegt in der DDR, mag es manchen Leser dieser Seite dazu veranlassen, die Erz\u00e4hlung als &#8222;olle Kamelle, nicht mehr aktuell, usw&#8220; abzutun, zur Seite zu legen.<\/p>\n<p>Wie unrecht er doch h\u00e4tte!<\/p>\n<p>Junge Menschen, die ihren Weg gefunden,<br \/>\nvermeintlich frei und endlich losgel\u00f6st<br \/>\nvon veralteten, zerst\u00f6renden und Leben verachtenden Moralvorstellungen.<br \/>\nUnd die dann doch noch scheitern.<br \/>\nZugrunde gehen an einer Entscheidung, welche die ihre h\u00e4tte sein k\u00f6nnen.<br \/>\nEs aber nicht sein durfte. Nicht konnte.<br \/>\nDenn wer ist schon frei von den Zw\u00e4ngen der Kindheit.<br \/>\nVerinnerlicht aus Liebe zu den Eltern, aus Vertrauen.<br \/>\nManchmal aber auch aus Angst. Vor Strafe. Vor Einsamkeit.<br \/>\nAlso erheben wir lieber den mahnenden Zeigefinger gegen uns selbst.<br \/>\nUnd registrieren es nicht einmal.<br \/>\nIn unserer geglaubten Freiheit.<\/p>\n<p>Um was aber geht es in dieser Erz\u00e4hlung?<br \/>\nGeht es um einen Unfall? Um Selbstmord? Mord?<\/p>\n<p>&#8222;Die geben nicht nach, hatte sie gesagt. Die kommt auch nicht zur\u00fcck.&#8220;<br \/>\nEin Patt also? Eine unkl\u00e4rbare und unlebbare Situation?<br \/>\n&#8222;Die tut sich eher sonst was an.&#8220;<\/p>\n<p>Ihren Freund David haben sie in die &#8222;Klapsm\u00fchle&#8220; gebracht.<br \/>\n&#8222;Er gibt sich die Schuld an ihrem Tod&#8220;&#8230;<br \/>\n&#8222;Als sie st\u00fcrzte? Als sie sich st\u00fcrzte? Als sie gest\u00fcrzt wurde?&#8220;<\/p>\n<p>In seinem Theaterst\u00fcck sollte sie, Sabine, die Hauptrolle spielen.<br \/>\nEine Rolle mit einem Happy End:<br \/>\nDie Eltern verstehen. Geben nach. Nehmen an.<br \/>\nUnd die Tochter kehrt zur\u00fcck.<\/p>\n<p>\u00b4Nein`, sagte Sabine, \u00b4die geben nicht nach.<br \/>\nDie kommt auch nicht zur\u00fcck`.<br \/>\nUnd damit hatte sie das St\u00fcck umgeschrieben.<br \/>\nDas ganze Leben war nun ein anderes.<\/p>\n<p>Beim Besuch der Eltern rezitiert Sabines Mutter, was ihn erschrecken l\u00e4sst:<br \/>\n&#8222;Unsre W\u00fcnsche, gro\u00df und klein, sieben wei\u00dfe Pferde,<br \/>\nreiten in den Tag hinein, um die halbe Erde.&#8220;<\/p>\n<p>Hatte nicht David im Wahn seiner Verzweiflung<br \/>\nimmer wieder etwas von Pferden gelallt?<br \/>\nNun ist er ganz aufgeregt. Ist das wom\u00f6glich eine Spur?<br \/>\nDieses Gedicht, von Sabine an Ostern mit zu den Eltern gebracht?<br \/>\nEine Spur zum wahren Geschehen?<\/p>\n<p>Sabine, und zwei Gesichter!<br \/>\nSabine, und zwei Gesichter?<br \/>\nDer junge Dramatiker, in dessen St\u00fcck sie die Hauptrolle spielen sollte, ist fassungslos.<br \/>\nNichts von alle dem hatte er gewusst.<br \/>\nNichts geahnt und nichts f\u00fcr m\u00f6glich gehalten.<\/p>\n<p>Als er die Parallelen des Drehbuchs zu Sabines Status findet, h\u00e4lt er einen Zusammenhang f\u00fcr m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Und wenn <strong>ich<\/strong> hier weiter schreibe, halte ich f\u00fcr m\u00f6glich, alles, was das Buch spannend und einzigartig macht, zu verraten.<br \/>\nAlso breche ich hier ab, mittendrin, in der Hoffnung, ein ausreichendes Interesse an Sabines Leben geweckt zu haben.<br \/>\nAusreichend daf\u00fcr, das kleine B\u00fcchlein von einhundertdreiunddrei\u00dfig Seiten in die Hand zu nehmen und nicht mehr los zulassen bis der letzte Satz &#8222;Es war genau dreiundzwanzig Uhr und sechs Minuten&#8220; gelesen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Meine Lippen sollen nichts Unrechtes reden, und meine Zunge soll keinen Betrug sagen. &#8230; &#8222; Dieses Zitat, aus dem Buch Hiob, 27, stellt Armin M\u00fcller an den Anfang seiner Erz\u00e4hlung. 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