Und wenn er verliebt ist, da gibt es nichts. Da steht er zu.
Egal, ob die anderen seinen Schwarm als vielleicht zu dick empfinden.
Obwohl, bei ihrer "kräftigen Figur" würde er schon eher einen Badeanzug an ihr attraktiv finden. Ganz davon abgesehen, dass er Bikinis "schon immer für einen Modeirrtum gehalten hatte".
Eigentlich heißt Herr Lehmann auch Frank.
Aber so nennt ihn nur sein bester Freund Karl.
Und dieser Frank, alias Herr Lehmann, kann sich köstlich amüsieren,
zusammen mit einem Volker, der eigentlich Rainer heißt,
z. B. über Regen, der plötzlich aufhört. Ja, die beiden lachen sich geradezu kringelig darüber, wie "der Regen Blasen geschlagen hat. Und dann: Zack! Vorbei!"
Ein wirklich lieber Kerl ist er, der Herr Lehmann. Eigentlich total unauffällig.
Nur den Frauen fällt er auf, manchmal, im Einfall. Oder im Abfall.
So hasst er es zum Beispiel, zu spät zu kommen.
Er hasst es auch, wenn er sich auf eine Schlägerei einlassen muss, bzw. dazu von anderen eingelassen wird. Geradezu zuwider ist ihm das.
Ebenso hasst er es, schwarz mit der U-Bahn zu fahren.
Es macht ihn tierisch nervös!
Nervös macht ihn auch der Kuhdamm.
Vor allem der Wittenbergplatz, "wo mit dem KaDeWe und allem anderen das ganze Elend schon begann, wo in der Ferne bereits das sinnlose Europa-Center und die noch schlimmere Gedächtniskirche und die Schuhgeschäfte, die Leiser und Stiller und so hießen, deuten, und wo die Kuhdamm-Katastrophe ihren Anfang nahm...".
Es wird uns hier ein supertolles fantastisches lustiges melancholisches und ganzganzganz ganz toll unterhaltendes Lesevergnügen präsentiert.
Vor allem auch denjenigen, die Berlin noch von den 70gern, 80gern und 90gern her kennen und besonders für die ehemaligen SO 36ger ein unbedingtes Muss!
Ich werde mich jetzt zusammenreißen und nichts mehr aus dem Buch zitieren oder zu der Geschichte über und mit Herrn Lehmann sagen.
Auch nicht über seinen Freund Karl, der "selbst als Verrückter noch ziemlich gut war" und auch nicht über den Arzt, den wir gemeinsam im Urbankrankenhaus treffen und "der wirklich ein Fuchs ist".
Fällt schwer, aufzuhören, zumal mir selbst die großen Erinnerungen kommen, wenn ich den inzwischen lieb gewonnenen Herrn Lehmann in die Rote Harfe oder den Elefanten begleite.
Ein Satz allerdings muss noch sein, eine Erinnerung.
Auch die zusammen mit Herrn Lehmann, mit dem ich nun an der Oberbaumbrücke stehe, so wie damals, mit dem Glücklichen in meinem Bauch, und staunend die Nachbarn aus der DDR die offenen Grenzen stürmen sehe.
Ja, so war´s und so wird es niemals wieder sein!
Ein bisschen Wehmut, ein bisschen Trauer...
aber es ist, wie es ist und wie es ist, ist es o.k.
Das vorliegende Buch ist im Wilhelm Goldmann Verlag erschienen.
Copyright 2001 by Eichborn Verlag AG, Frankfurt am Main
ISBN: 3-442-45330-5